Niedertemperaturasphalt

Niedertemperaturasphalt ist normiertes Mischgut, welches bei Temperaturen zwischen 100 und 150 °C hergestellt wird. Das Mischgut muss, mit Ausnahme der Temperatur, allen Anforderungen genügen und alle Normwerte erfüllen, die an ein heisses Referenzmischgut gestellt werden. Niedertemperaturasphalt hat das Potenzial, eine umweltfreundliche und gleichzeitig leistungsfähige Alternative zu herkömmlichem Heissasphalt zu werden. Im Kanton Waadt werden überdurchschnittlich viele Strassenbauprojekte unter Verwendung von Niedertemperaturasphalt umgesetzt. Zu diesem Thema haben wir mit Herrn Christophe Rohr von der Generaldirektion Waadt für Mobilität und Strassen, Abteilung Instandhaltung, gesprochen.

Interview mit Christophe Rohr von der Abteilung Instandhaltung der Generaldirektion für Mobilität und Strassen (DGMR) des Kantons Waadt

Im Kanton Waadt werden überdurchschnittlich viele Verkehrswege und Flächen unter Verwendung von Niedertemperaturasphalt gebaut. Welche Ursache hat das?
Seit wann wird im Kanton Waadt schon Niedertemperaturasphalt eingesetzt?
Auf welcher Art Verkehrswege und -flächen kommt im Kanton Waadt Niedertemperaturasphalt zum Einsatz?
Warum wird Niedertemperaturasphalt nicht auch in Deckschichten verbaut?
Wie sind Ihre Langzeiterfahrungen mit Verkehrswegen- und -flächen, die unter Verwendung von Niedertemperaturasphalt gebaut wurden?
Lässt sich Niedertemperaturasphalt genauso verarbeiten wie Heissasphalt?
Kein Verfahren ist frei von Nachteilen. Wo sehen Sie die Nachteile bei der Verwendung von Niedertemperaturasphalt, und wie schwer wiegen diese im Vergleich zu den Vorteilen?
Welche Vorteile sprechen nach Ihren Erfahrungen für die Verwendung von Niedertemperaturasphalt?
Wie sehen Sie die Zukunft von Niedertemperaturasphalt?
Im Kanton Waadt werden überdurchschnittlich viele Verkehrswege und Flächen unter Verwendung von Niedertemperaturasphalt gebaut. Welche Ursache hat das?

Christophe Rohr: Im Kanton Waadt sind wir zunehmend besorgt über die negativen Auswirkungen, die mit der Produktion und Verarbeitung von Heissasphalt verbunden sind. Da ist besonders der Ausstoss von Treibhausgasen zu nennen, den wir reduzieren wollen. Da neue Technologien zur Verfügung stehen, wollen wir hier die Vorschläge der Mischgutproduzenten aufgreifen und umsetzen. Der Kanton Waadt hat sich auf Anregung des Staatsrats sich daher schnell freiwillig bereit erklärt, die Tragschichten und/oder Binderschichten, die bisher mit Heissasphalt hergestellt wurden, so weit wie möglich durch EBT (Warmmischasphalt) zu ersetzen.

Seit wann wird im Kanton Waadt schon Niedertemperaturasphalt eingesetzt?

Christophe Rohr: Die ersten Baustellen mit Warmasphalt gab es bereits im Jahr 2011 für die Instandhaltung. Etwa 2 % des 2011 produzierten Asphalts wurden als EBT hergestellt. Dieser Anteil erreichte 2016 dann schon 26 %. Die Statistiken für 2018 und 2019 liegen noch nicht vor. Die Anzahl der für 2020 geplanten EBT-Projekte wird zwischen 8 und 10 % liegen. Im Jahr 2017 wurde zu Überwachungszwecken eine Ausfallzeit durchgeführt.

Auf welcher Art Verkehrswege und -flächen kommt im Kanton Waadt Niedertemperaturasphalt zum Einsatz?

Christophe Rohr: Heute wird der Einbau von Warmmischgut (EBT) hauptsächlich als Instandhaltungstechnik auf Strassen mit geringem bis mittlerem Verkehrsaufkommen, als Trag- und/oder Binderschicht und in Höhen von maximal 600 bis 800 Metern durchgeführt. Mindestens zwei Baustellen in Höhenlagen um 950 Meter werden im Jahr 2020 fertiggestellt sein.

Warum wird Niedertemperaturasphalt nicht auch in Deckschichten verbaut?

Christophe Rohr: Es wurden Versuche mit dem Einbau von EBT-Deckschichten durchgeführt, aber die Verdichtungsergebnisse waren noch nicht ganz zufriedenstellend. Für den Einsatz in Deckschichten sind noch Tests durchzuführen.

Wie sind Ihre Langzeiterfahrungen mit Verkehrswegen- und -flächen, die unter Verwendung von Niedertemperaturasphalt gebaut wurden?

Christophe Rohr: Das Feedback (8 Jahre) reicht noch nicht aus, um das Verhalten im Laufe der Zeit zu bewerten. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass wir bisher keine grösseren Probleme hatten.

Lässt sich Niedertemperaturasphalt genauso verarbeiten wie Heissasphalt?

Christophe Rohr: Nicht ganz. Bauunternehmen müssen beim Einsatz von Niedertemperaturasphalt eventuell Anpassungen bei ihren Verfahren vornehmen – aber diese Frage können die Bauunternehmungen besser beantworten.

Kein Verfahren ist frei von Nachteilen. Wo sehen Sie die Nachteile bei der Verwendung von Niedertemperaturasphalt, und wie schwer wiegen diese im Vergleich zu den Vorteilen?

Christophe Rohr: Die Temperaturabsenkung beträgt zwischen 20 und 50 °C. Daraus folgt eine erhebliche Reduzierung des Energieverbrauchs bei der Herstellung, und damit ist direkt eine Reduzierung der entstehenden Treibhausgase verbunden, denn es kommen ja fossile Brennstoffe bei der Mischgutproduktion zum Einsatz. Die Einbausaison verlängert sich bei der Verwendung von Niedertemperatur ebenfalls – unter Umständen kann das ganze Jahr über eingebaut werden. Und natürlich verbessern sich die Arbeitsbedingungen der Männer und Frauen, welche Asphalt einbauen: Es gibt eine deutlich geringere Belastung durch Hitze, Dämpfe und Geruch.

Welche Vorteile sprechen nach Ihren Erfahrungen für die Verwendung von Niedertemperaturasphalt?

Christophe Rohr: Der ETB-Einsatz von Hand ist aufgrund der etwas höheren Viskosität der Mischung schwieriger. Abgesehen von diesem Punkt sehen wir keine weiteren Nachteile. 

Wie sehen Sie die Zukunft von Niedertemperaturasphalt?

Christophe Rohr: Die Überwachung bestehender Baustellen und die Studien zum Bau von Warmmischgut in allen Schichten des Oberbaus, auf stark befahrenen Strassen und in grossen Höhen sind noch nicht abgeschlossen. Derzeit werden Tests mit Kaltmischungen und hochrecycelten Mischungen (RAP) durchgeführt. Es werden alle Anstrengungen unternommen, um die Umweltauswirkungen zu reduzieren und die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer zu verbessern. ◙

Christophe Rohr

Spezialist für Strassenbeläge
Ing. Dipl. HES – ­Bauingenieurwesen, Spezialist für Strassenbeläge, ­Generaldirektion Mobilität und Strassen beim Ministerium für Infrastruktur und Humanressourcen des Kanton Waadt
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