Rückblick Fachtagung 2025 in Bern

Am 23. und 24. Januar 2025 fand im Kursaal in Bern die Fachtagung von asphaltsuisse statt. Die diesjährige Fachtagung war wieder ein voller Erfolg. Ganz besonders, da der Anlass dieses Jahr wieder an zwei Tagen stattfand. Am Donnerstag, den 23. Januar für Mitglieder und assoziierte Mitglieder und am Freitag, den 24. Januar  zusätzlich für öffentlich Interessierte. Moderiert wurde die Tagung von Bernhard Kunz, dem Präsident von asphaltsuisse.

Über 130 Besucher nutzten die Chance zum gegenseitigen Austausch. Die informativen Präsentationen und Vorträge waren Ausgangspunkt für spannende Gespräche und den vielfältigen Gedankenaustausch unter den Besuchern.

Referate Fachtagung, 23.01.2025

Dekarbonisierungsfahrplan: Was ist für die Mitglieder zu tun?

Referent: Andreas Hofer

Andreas Hofer von der Enerprice Partners AG präsentierte den Dekarbonisierungsfahrplan für die Asphaltbranche. Er erläuterte die gesetzlichen Vorgaben, die eine Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Netto-Null vorsehen, und stellte Maßnahmen zur Emissionsminderung vor. Dazu zählen der Einsatz alternativer Energieträger wie Wasserstoff oder Holzstaub sowie die Nutzung von Photovoltaik. Hofer betonte die Notwendigkeit für Unternehmen, individuelle Maßnahmenpläne zu entwickeln und die verfügbaren Fördermöglichkeiten zu nutzen, um die Klimaziele zu erreichen.

Der Asphaltrechner: ein Ökobilanzrechner für Asphalt

 Referent: Thomas Pohl
Thomas Pohl von der Umtec Technologie AG stellte den neu entwickelten Asphaltrechner vor, ein Tool zur Bewertung der Umweltwirkungen von Asphaltmischungen. Dieses Instrument ermöglicht es Planern und Herstellern, die Ökobilanz verschiedener Asphaltrezepturen zu analysieren und zu optimieren. Ziel ist es, fundierte Entscheidungsgrundlagen für nachhaltige Infrastrukturprojekte zu bieten und die Transparenz hinsichtlich der Umweltbelastungen zu erhöhen. Pohl betonte die Bedeutung einer soliden Datenbasis und rief die Branche zur Mitwirkung auf, um den Asphaltrechner kontinuierlich zu verbessern.

Referate Fachtagung, 24.01.2025

Bauherren wünschen Niedertemperaturasphalt (NT)

Referent: Lionel Guglielminotti, Spècialiste en Révisions Routiers DGMR VD

Lionel Guglielminotti von der Direction Générale de la Mobilité et des Routes (DGMR) des Kantons Waadt berichtete über die Praxis der öffentlichen Hand bei der Förderung von  Niedertemperaturasphalt. Er erläuterte, dass die DGMR in ihren Ausschreibungen zunehmend den Einsatz von NT-Asphalt fordert, insbesondere bei Projekten mit geringer Verkehrsbelastung. Im Jahr 2023 wurden in 12 von 18 Projekten insgesamt 21 560 Tonnen NT-Asphalt verbaut. Guglielminotti betonte die Bedeutung dieser Maßnahme für den Umweltschutz und die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand.

Erfahrungen mit NT-Asphalt

Referent: Samuel Probst

Samuel Probst von der Weibel AG präsentierte seine umfangreichen Erfahrungen mit Niedrigtemperatur-Asphalt (NT-Asphalt) und dessen Einsatz in der Praxis. NT-Asphalt wird bei niedrigeren Temperaturen hergestellt und eingebaut als herkömmlicher Asphalt, was zu einer Reduktion des Energieverbrauchs, der CO-Emissionen und der Dampfentwicklung führt. In seiner Präsentation zeigte Probst auf, dass NT-Asphalt seit 2009 in verschiedenen Projekten erfolgreich eingesetzt wurde, unter anderem auf Kantonsstrassen, Autobahnabschnitten und dem Flughafen Belp. Besonders hervorgehoben wurde der positive Einfluss auf die Qualität der Bauwerke, da die Alterung des Bitumens durch die tieferen Temperaturen reduziert wird. Weitere Vorteile sind bessere Arbeitsbedingungen für die Einbauteams durch weniger Strahlungswärme und Dampfbildung sowie die Möglichkeit einer schnelleren Verkehrsfreigabe. Darüber hinaus ist NT-Asphalt mit Recyclingmaterial kompatibel, was eine nachhaltige Ressourcennutzung ermöglicht.

Abschliessend betonte Probst, dass NT-Asphalt nicht gleich NT-Asphalt ist – je nach eingesetzter Technologie unterscheiden sich die Eigenschaften. Er rief dazu auf, die Ausschreibungen entsprechend anzupassen, um das Potenzial dieser Technologie voll auszuschöpfen. Die bisherigen Erfahrungen seien vielversprechend und zeigten, dass NT-Asphalt einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Straßenbaus leisten könne.

Niedertemperaturasphalt: Potenzial und Herausforderungen

Referent: Dr. Nicolas Bueche

Dr. Nicolas Bueche, Co-Geschäftsführer der IMP Bautest AG, beleuchtete die aktuellen Entwicklungen im Bereich des Niedertemperaturasphalts (NT). Er hob hervor, dass die Reduktion der Herstellungstemperatur um etwa 30 °C nicht nur den Energieverbrauch senkt, sondern auch die Emissionen von Treibhausgasen und Dämpfen reduziert. Verschiedene Technologien wie organische und chemische Additive sowie Schaumbitumen ermöglichen diese Temperaturabsenkung. Bueche betonte jedoch, dass trotz dieser Vorteile die Implementierung von NT in der Schweiz noch nicht standardisiert ist und oft auf lokale Initiativen zurückgeht. Er plädierte für eine Überarbeitung der Normen und eine verstärkte Forschung, um die Anwendung von NT-Asphalt zu fördern.

Energieträger der Zukunft für Asphaltwerke

Referent: Steven Mac Nelly

Steven Mac Nelly von der Benninghoven GmbH diskutierte die zukünftigen Energieträger für Asphaltwerke. Er stellte eine neue Brennergeneration vor, die den flexiblen Einsatz von bis zu vier verschiedenen Brennstoffen, einschließlich Wasserstoff, ermöglicht. Diese Multifuel-Technologie erlaubt ein stufenloses Umschalten zwischen den Brennstoffen und bietet somit maximale Flexibilität und Kostenkontrolle. Mac Nelly unterstrich, dass diese Innovationen nicht nur zur Reduktion von CO₂-Emissionen beitragen, sondern auch die Effizienz der Anlagen steigern.