ASTRA – Bauherr mit Signalwirkung

Das ASTRA fühlt sich der künftigen Generation verpflichtet. Ganzheitlich betrachtet ist es für das ASTRA ökonomisch wie ökologisch sinnvoll, hohe RAP-Anteile in der Asphaltproduktion anzustreben.

Interview mit Fabian Traber, Fachspezialist Trasseeaufbau/Oberbau bei ASTRA, über ­Normen, neue Wege und die Verwendung von höheren RAP-Zugaben

Als Fachspezialist bei ASTRA innovative und neue Wege zu gehen und gleichzeitig in verschiedenen Gremien der Normenkommission zu sitzen, ist für Fabian Traber kein Widerspruch. Ganz im Gegenteil, er nutzt sein Praxiswissen von den Baustellen und bringt es – manchmal auch als unbequemer Querdenker – entsprechend ein.

Fabian Traber

Fabian Traber

Fachspezialist Trasseeauf- bau/-oberbau beim Bundesamt für Strassen ASTRA
Fabian Traber (43) ist Dipl.-Baumeister und Fachspezialist Trasseeauf- bau/-oberbau beim Bundesamt für Strassen ASTRA.

Als Vertreter des ASTRA engagiert er sich als VSS-Mitglied in den verschiedenen Gremien.

Wieso entscheidet sich das ASTRA, neue Wege zu gehen und mehr RAP zu verbauen?
Sie selbst sind Mitglied der Normenkommission, und trotzdem gehen Sie eigene Wege – ist das ein Widerspruch oder eher eine Chance?
Was erwarten Sie sich von der Normenkommission, in Bezug auf das Thema Verwendung von höheren RAP-Anteilen?
Was ist Ihr Beitrag bei der Normenkommission um das Thema voranzutreiben?
Was glauben Sie, wie sich die Zukunft in Bezug auf die RAP-Anteile entwickeln wird? Was wünschen Sie sich?
Sehen Sie sich/das ASTRA als Pionier bzw. als Visionär oder suchen Sie schlichtweg nur nach pragmatischen Lösungen?
Welche Erfahrungen haben Sie mit höheren RAP-Anteilen gemacht?
Für welche Schichten verwenden Sie Rezepte mit erhöhtem RAP-Anteil?
Wie sind die Erfahrungen bei den Projekten?
Stimmt es, dass Sie sogar eine eigene Asphaltmischanlage gekauft haben für Ihr Projekt N2 Airolo – Quinto?
Was hat Sie als Bauherr dazu bewogen? Das ist doch eher unüblich, oder nicht?
Was sind Ihre nächsten Schritte?
Wie eng ist die Zusammenarbeit für Sie als Bauherr mit Laboren, Asphaltmischanlagenbetreibern und Unternehmern?
Wieso entscheidet sich das ASTRA, neue Wege zu gehen und mehr RAP zu verbauen?

Fabian Traber: Wir fühlen uns den künftigen Generationen verpflichtet und wollen die vorhandenen natürlichen Ressourcen möglichst schonen. Uns ist ausserdem eine Reduktion des Energieverbrauchs für den Strassenbau und somit des CO2-Ausstosses wichtig. Wir glauben, dass es ganzheitlich betrachtet ökonomisch wie ökologisch sinnvoll ist, hohe RAP-Anteile anzustreben. Ausbauasphalt ist ein wertvoller Baustoff – aus etwas Altem etwas Neues zu machen, ist sinnvoll.

Sie selbst sind Mitglied der Normenkommission, und trotzdem gehen Sie eigene Wege – ist das ein Widerspruch oder eher eine Chance?

Fabian Traber: Nein, das ist kein Widerspruch. Normen bilden den aktuellen Stand der Technik ab, basierend auf gesicherten Erkenntnissen aus Wissenschaft, Technik und Erfahrungen. Als grösster Bauherr im Strassenbau nutzen wir die Chance unserer Marktkraft und wollen mit unseren Partnern gemeinsam vorangehen. Das ASTRA hat für viele Bauherren eine Signalwirkung . 

Was erwarten Sie sich von der Normenkommission, in Bezug auf das Thema Verwendung von höheren RAP-Anteilen?

Fabian Traber: Wir wünschen uns hier eine neutrale und sachliche Diskussion und langfristiges Denken.

Was ist Ihr Beitrag bei der Normenkommission um das Thema voranzutreiben?

Fabian Traber: Ich bringe Erfahrungen von unseren Baustellen mit ein. Manchmal versuche ich auch, der unbequeme Querdenker zu sein, um die Bedürfnisse der Bauherren in der Norm abzubilden.

Was glauben Sie, wie sich die Zukunft in Bezug auf die RAP-Anteile entwickeln wird? Was wünschen Sie sich?

Fabian Traber: Am liebsten wäre es mir, wenn wir langfristig neuen Asphalt mit 100 % Ausbauasphalt herstellen könnten. Zudem brauchen wir neue, günstige und schnellere Materialprüfmethoden, denn die Aussagekraft der heutigen, etablierten Prüfmethoden (Penetration, Ring & Kugel, Brechpunkt nach Fraas) ist bei hohen RAP-Anteilen sehr begrenzt. Auch benötigen wir bessere, auf hohe RAP-Anteile abgestimmte Bitumen. 

Sehen Sie sich/das ASTRA als Pionier bzw. als Visionär oder suchen Sie schlichtweg nur nach pragmatischen Lösungen?

Fabian Traber: Pionier und/oder Visionär zu sein reicht nicht aus, um Lösungen im Markt zu etablieren. Es braucht ein starken Willen und Marktkraft, um Visionen umzusetzen, und diese hat das ASTRA. Wir gehen oft den pragmatischen Weg zur Lösungsfindung, und manchmal ist dieser pragmatische Weg eben auch visionär.

Welche Erfahrungen haben Sie mit höheren RAP-Anteilen gemacht?

Fabian Traber: Auf das Endprodukt, den Asphalt bezogen, durchwegs positive Erfahrungen. Der maximal mögliche RAP-Anteil ist aber in hohem Masse abhängig von den vorhandenen Möglichkeiten des Lieferwerkes. Häufig stellen wir gar keinen Unterschied zu Asphalt fest, der mit primären Baustoffen hergestellt wurde.

Für welche Schichten verwenden Sie Rezepte mit erhöhtem RAP-Anteil?

Fabian Traber: Für alle Schichten (AC F, AC T, AC B, AC EME) ausser den Deckschichten. Was zählt, ist die Leistung des Endprodukts (Erfüllen der gestellten Normanforderungen), nicht der RAP-Anteil. Wir lassen aber auch Asphaltgranulat in der Planie bis maximal 50 mm zu.

Wie sind die Erfahrungen bei den Projekten?

Fabian Traber: Hohe RAP-Anteile bedeuten manchmal ein etwas höheres Risiko für alle Beteiligten, dies braucht manchmal etwas Überzeugungskraft. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten als Team ist wichtig, damit alle Bedürfnisse von der Planung über die Umsetzung und bsi hin zur Produktion berücksichtigt werden können.

Stimmt es, dass Sie sogar eine eigene Asphaltmischanlage gekauft haben für Ihr Projekt N2 Airolo – Quinto?

Fabian Traber: Nein, wir haben eine Anlage für die Dauer des Projektes ausgeschrieben. Für die Dauer des Projektes liefert uns eine Mischanlage den benötigten Asphalt. Wir sind aber nicht Eigentümer der Asphaltmischanlage.

Was hat Sie als Bauherr dazu bewogen? Das ist doch eher unüblich, oder nicht?

Fabian Traber: Die Distanz zur nächsten Asphaltmischanlage war zu gross. Wir ereichen damit eine Reduktion von 2 Mio. Lkw-Kilometern, das sind ca. 25’000 Lkw-Fahrten. Das bedeutet eine Entlastung der Nord-Süd-Verbindung in den Sommermonaten bei gleichzeitiger Versorgungssicherheit auf der Baustelle, weil keine Lkw im Stau stehen.

Was sind Ihre nächsten Schritte?

Fabian Traber: (lacht) Mich auf das Echo dieses Interviews vorzubereiten!

Wie eng ist die Zusammenarbeit für Sie als Bauherr mit Laboren, Asphaltmischanlagenbetreibern und Unternehmern?

Fabian Traber: Im allgemeinen sehr eng. Man sieht sich ja auch an vielen Orten wie Anlässe, in Verbänden, bei Normierungen und auf Baustellen. Ich bin dankbar für die stete Offenheit unserer Partner, die mit uns gemeinsam das Produkt Asphalt weiterbringen möchten. Wir haben auf den Baustellen eine enge Zusammenarbeit, bedingt durch unsere Qualitätssicherung – bei schlechten Ergebnissen wird diese dann manchmal kurzfristig aber auch wieder weniger eng (lacht). ◙

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Ausbauasphalt
RAP
ASTRA

Ausbauasphalt

Ausbauasphalt ist ein in der Regel durch Aufbrechen oder Fräsen gewonnener, bituminös gebundener Baustoff.

RAP

Reclaimed asphalt pavement = ein Sekundärbaustoff, der aus Ausbausaphalt besteht, welches in einem Brecher zerkleinert, gesiebt und aufbereitet und in die Asphaltproduktion zurückgeführt wird.

ASTRA

Bundesamt für Strassenbau (www.astra.ch)

N2 Airolo – Quinto
N2 Reiden – Sursee
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